Wildleder ist ein Leder mit samtiger, aufgerauter Oberfläche, das durch das Schleifen der Fleischseite einer Tierhaut entsteht. Es ist weicher, leichter und geschmeidiger als Glattleder – dafür aber offenporiger, empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und etwas pflegeintensiver. Im Schuhbau wird Wildleder meist aus Kalb-, Lamm- oder Ziegenleder gefertigt und kommt in Loafern, Chelsea Boots, Chukkas, Espadrilles und Jacken zum Einsatz.
Eine Anmerkung zur Begriffsverwirrung: Wildleder ist streng genommen Leder von wildlebenden Tieren. Was Sie im deutschen Sprachgebrauch meist als Wildleder bezeichnet finden, ist fachlich gesehen Veloursleder – und darum geht es in diesem Beitrag. Beide Begriffe werden in der Alltagssprache synonym verwendet; wir verwenden sie hier ebenfalls austauschbar und kennzeichnen die technischen Unterschiede dort, wo sie wichtig werden.
Bei MORJAS arbeiten wir seit der ersten Kollektion mit hochwertigem Veloursleder aus europäischen Gerbereien in Spanien und Italien. In diesem Leitfaden zeigen wir, wie Wildleder hergestellt wird, wie es sich von Nubuk und Glattleder unterscheidet und wie Sie es richtig pflegen.
Wie wird Wildleder hergestellt?
Die Herstellung beginnt wie bei jedem anderen Leder: Die Tierhaut wird gegerbt – entweder pflanzlich (langsamer, schonender, mit weicherem Griff) oder chromgegerbt (schneller, farblich gleichmäßiger, wasserresistenter). Nach der Gerbung folgt die Ausrüstung.
Was Wildleder von Glattleder unterscheidet, geschieht in diesem letzten Schritt: Die Fleischseite der Haut wird angeschliffen. Dadurch werden die feinen Lederfasern aufgerichtet und bilden den charakteristischen samtigen Flor. Länge und Gleichmäßigkeit des Flors hängen davon ab, welche Lederschicht verwendet und wie sie bearbeitet wird – beides entscheidet der Schuhmacher je nach Verwendungszweck.
Das beste Wildleder wird anschließend fassgefärbt – in großen Trommeln so lange mit Farbe rotiert, dass sie die volle Stärke des Leders durchdringt. Das ist in der Praxis entscheidend: Bei einem gut durchgefärbten Veloursleder-Loafer zeigt sich an einer abgebürsteten Stelle kein heller Kern darunter. Und nur so kann Wildleder mit den Jahren gleichmäßig patinieren, statt fleckig auszubleichen.
Spaltvelours und Rough-Out-Veloursleder
Die Häute, aus denen hochwertige Schuhe gefertigt werden, sind in der Regel dicker, als ein einzelnes Paar Schuhe benötigt. Deshalb werden sie horizontal gespalten. Jede Schicht hat ihre Rolle – und welche der Schuhmacher wählt, hängt davon ab, wie der Schuh aufgebaut ist.
Spaltvelours ist die verbreitetere Variante und der Standard für gefütterte Veloursleder-Schuhe in der gehobenen Schuhmacherei. Es entsteht aus der unteren, faserreichen Schicht der gespaltenen Haut und wird auf beiden Seiten geschliffen. Das Ergebnis ist sein charakteristischer langer, weicher, gleichmäßiger Flor. Wenn ein Schuh – wie die meisten Loafer und Boots – innen gefüttert ist, sorgt das Futter für Struktur, und das Veloursleder darf sich ganz auf Optik und Haptik konzentrieren. Genau das kann Spaltvelours besonders gut: weich, durch Fassfärbung gleichmäßig durchgefärbt und mit der ruhigen, ebenmäßigen Textur, die man sich unter Wildleder vorstellt. Das ist das Material, das wir in den meisten Modellen der permanenten MORJAS-Kollektion verwenden.
Rough-Out-Veloursleder – bei uns Reverse Suede – ist die passende Wahl für eine andere Konstruktion. Es handelt sich um ein vollnarbiges Leder – also die obere Hautschicht mit ihrer natürlichen Außenseite –, das mit der Fleischseite nach außen verarbeitet wird. Die samtige Oberfläche, die man sieht, ist also tatsächlich die Unterseite eines Glattleders. Dadurch bleibt die Faserdichte und Festigkeit des Vollnarbens erhalten – und das ist der Grund, warum Schuhmacher bei ungefütterten Konstruktionen zu diesem Material greifen: Ohne Innenfutter muss das Leder allein die Form halten, atmen und sich richtig einlaufen. Bei MORJAS verwenden wir Rough-Out-Velours für unsere ungefütterten Modelle – etwa den ungefütterten Penny Loafer –, bei denen das Leder direkt auf dem Fuß sitzt und die zusätzliche Stabilität der vollnarbigen Grundlage braucht.
Wildleder vs. Nubuk – was ist der Unterschied?
Veloursleder und Nubuk werden häufig verwechselt. Der technische Unterschied ist jedoch klar:
Geschliffen auf
Wildleder (Veloursleder): Fleischseite (innen)
Nubuk: Narbenseite (außen)
Flor:
Wildleder (Veloursleder): länger, weicher, sichtbarer
Nubuk: kürzer, feiner, gleichmäßiger
Haptik:
Wildleder (Veloursleder): samtig, weich
Nubuk: näher am Glattleder, matt
Strapazierfähigkeit:
Wildleder (Veloursleder): flexibler, aber offenporiger
Nubuk: behält mehr Narbenstruktur
In short: Erkennen lässt sich der Unterschied in der Regel mit dem Finger: Sind einzelne Fasern fühlbar, die sich aufrichten, handelt es sich um Veloursleder. Fühlt sich die Oberfläche eher wie feiner matter Samt an – fast ohne sichtbaren Flor – ist es Nubuk.
Wildleder vs. Glattleder
Glattleder zeigt die natürliche Außenseite der Haut – die Narbenseite. Es ist die strapazierfähigste und wasserresistenteste Form des Leders. Veloursleder nutzt dagegen die faserige Innenseite.
Die Abwägung ist relativ klar:
Strapazierfähigkeit. Glattleder ist haltbarer und wasserresistenter. Veloursleder ist weicher und flexibler, nimmt dafür aber Feuchtigkeit schneller auf.
Einlaufzeit. Veloursleder läuft sich schneller ein. Ein neuer Glattlederschuh kann die ersten Tragestunden steif sein; ein Veloursleder-Loafer fühlt sich meist von Anfang an bequem an.
Formalität. Schwarze Oxford-Schuhe aus Glattleder bleiben der formellste Herrenschuh. Wildleder steht eine halbe Stufe darunter – perfekt zu Anzug, Flanellhose oder Chino, aber nicht die richtige Wahl für Black-Tie-Anlässe.
Saisonalität. Veloursleder funktioniert hervorragend von Frühling bis Herbst. Bei Schnee und Dauerregen ist gut gepflegtes Glattleder praktischer. Mit regelmäßiger Imprägnierung hält Wildleder allerdings deutlich mehr aus, als viele denken.
Die ehrliche Antwort lautet: Eine gut aufgestellte Garderobe hat beides.
Von welchen Tieren stammt Wildleder?
Im hochwertigen Schuhbau kommen vor allem wenige Quellen in Frage – jede mit eigenem Charakter:
Kalbleder. Der Standard für hochwertige Wildlederschuhe. Feiner, gleichmäßiger Flor, hohe Faserdichte, nimmt Farbe hervorragend auf. Kalbvelours ist das Leder, das wir bei MORJAS für den Großteil unserer Schuhe verwenden – Loafer, Oxfords, Boots, Bootsschuhe –, überall dort, wo es auf die Balance zwischen Weichheit und Struktur ankommt.
Hirschleder. Spürbar weicher und geschmeidiger als Kalbleder, mit tieferem, plüschigerem Flor und einer natürlichen Dehnung, die sich fast wie ein Handschuh am Fuß anfühlt.
Lammleder. Weicher und empfindlicher. Wird häufiger für Kleidung und luxuriöse Innenfutter verwendet als für Herrenschuh-Oberteile, findet aber in bestimmten Konstruktionen seinen Platz.
Ziegenleder. Etwas gröberer Flor, robustere Faser. Üblich bei Accessoires und manchen Casual-Schuhen.
Der englische Begriff suede stammt übrigens aus dem Französischen: gants de Suède – „Handschuhe aus Schweden". So fanden weiche, aufgeraute Lederhandschuhe im 19. Jahrhundert den Weg in die französische Garderobe, und der Name blieb am Material haften.
Warum Wildleder zu hochwertigen Schuhen passt
Ein paar Gründe, warum Veloursleder trotz unzähliger synthetischer Alternativen ein fester Bestandteil des klassischen Schuhmacherhandwerks geblieben ist:
Atmungsaktivität. Die offenporige Faserstruktur lässt Feuchtigkeit durch das Material entweichen, statt sich im Schuh zu stauen. Das macht den Tragekomfort aus – und ist der Grund, warum Veloursleder-Loafer im Sommer spürbar kühler sind als ihre Glattleder-Pendants.
Schnellere Einlaufzeit. Glattleder braucht Zeit, um weich zu werden. Veloursleder fühlt sich meist ab der ersten Tragestunde angenehm an – noch stärker bei ungefütterten Konstruktionen, etwa unserem ungefütterten Penny Loafer in Braunem Wildleder, der ohne Innenfutter direkt auf dem Fuß atmet.
Tiefe. Der Flor fängt das Licht je nach Bürstrichtung anders ein – fast wie Samt. Ein brauner Veloursleder-Loafer wechselt im Laufe des Tages seine Anmutung; ein glatter brauner Loafer bleibt gleich. Diese optische Dimension ist mit Kalbleder nicht zu erreichen.
Patina. Gut gepflegtes Veloursleder entwickelt mit der Zeit Charakter. Nicht auf die gleiche Weise wie Glattleder, sondern in seiner eigenen Tonart – die Kanten werden weicher, die Farbe minimal tiefer, die Fasern finden ihren Rhythmus mit dem Fuß.
Wie Wildleder richtig gepflegt wird
Veloursleder hat den Ruf empfindlich zu sein. Mit ein paar Routinen ist es das nicht.
Die Grundlagen:
1. Nach jedem Tragen abbürsten. Eine Rosshaarbürste für losen Staub, eine Krepp- oder Messingbürste, um den Flor wieder aufzurichten, wenn er platt gedrückt wurde. Das ist die wichtigste Gewohnheit.
2. Vor dem ersten Tragen imprägnieren. Ein Imprägnierspray – wir empfehlen Saphir Super Invulner – legt eine unsichtbare Schutzschicht an, die Wasser abperlen lässt und spätere Reinigung deutlich vereinfacht. Alle paar Wochen erneuern bei nassem Wetter, sonst einmal im Monat.
3. Zedernspanner verwenden. Nach jedem Tragen Schuhspanner einlegen und den Schuh mindestens 24 Stunden ruhen lassen. Zedernholz nimmt Feuchtigkeit auf und hält die Form.
4. Schnell reinigen, langsam trocknen. Schmutz lässt sich trocken leichter entfernen als eingetrocknet. Wird das Leder doch nass: mit Zeitungspapier ausstopfen, bei Zimmertemperatur trocknen lassen – niemals am Heizkörper oder in direkter Sonne.
Für alles, was über die alltägliche Pflege hinausgeht, haben wir eine eigene Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wildlederschuhe restaurieren – Schritt für Schritt. Für die schnellen Grundregeln siehe unseren Leitfaden zur Wildlederpflege.
Häufig gestellte Fragen
Ja. Veloursleder ist vollnarbiges oder gespaltenes Leder, dessen Innenseite angeschliffen wurde, um einen weichen Flor zu erzeugen. Es handelt sich nicht um ein synthetisches oder imitiertes Material.
Leichter Regen ist unproblematisch, sofern das Wildleder imprägniert ist. Starker Regen sollten vermieden werden – Veloursleder nimmt Wasser auf, was zu Wasserrändern und einem plattgedrückten Flor führen kann. Passiert es doch, Schuhe natürlich trocknen lassen und nach vollständigem Austrocknen den Flor aufbürsten.
Nicht bei richtiger Behandlung. Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfen, bei Raumtemperatur und weit entfernt von Wärmequellen trocknen lassen und nach 24 Stunden den Flor wieder aufbürsten.
Veloursleder und Glattleder derselben Haut sind preislich etwa gleichwertig. Qualitätsunterschiede beruhen viel mehr auf der Gerberei, dem Tier und der Gerbart als auf der Oberflächenausrüstung.
Hochwertige, gut gepflegte Wildlederschuhe halten ein Jahrzehnt oder länger. MORJAS-Wildlederloafer sind rahmengenäht (Goodyear-Welted), das heißt die Sohle kann mehrfach im Laufe der Schuhlebenszeit erneuert werden – das Obermaterial ist der Teil, der bleibt.
Velvet is a woven fabric, typically silk, cotton, or synthetic. Suede is leather. They can look similar from a distance, but one is textile and the other is an animal hide.
Wildleder belohnt kleine Pflegegewohnheiten mit einer weicheren, wärmeren, ausdrucksvolleren Variante des Leders. MORJAS arbeitet in der gesamten permanenten Kollektion mit europäischem Veloursleder – von Penny Loafern und Ivy Loafern bis zu Chelsea Boots und Espadrilles. Handgefertigt in Spanien. Entdecken Sie die vollständige Wildleder-Kollektion.
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